ALLes allTAEGLICH

wege




wo führen unsere wege hin

seh'n wir die pfützen
oder den himmel
spüren wir die kälte
oder die hoffnung
sind wir die nacht
oder der tag

wo führen unsere wege hin
 

Engelbert 29.10.2004, 09.48| (15/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: poesie

moralpredigt


Es hatte etwas länger gedauert, aber dann wusste ich doch, was ich wollte ... in der Bäckerei. Bekams auch und zahlte. Schon auf dem Weg zur Tür ...

... hörte ich ein "hallo" in meine Richtung. Es kam vom Nebenzimmer der Bäckerei, wo man sitzen und ein Käffchen trinken kann.

Den verklungenen Tönen folgend stand ich vor der Frau meines älteren Cousins. "Sieht ma disch a mool widder ... du hasch schunn lang nix mee vun dir heere losse" wurde ich begrüßt. Weniger freundlich denn mahnend.

Dann der berühmte Floskelaustausch, der zu Antworten wie "gut", "es gut", "so lala" und "blendend" führt. Der Wahrheitsgehalt dieser Worte ist als sehr oberflächlich zu bezeichnen, wenn er überhaupt vorhanden ist.

Auf die Botschaft, ich hätte mich schon lange nicht mehr gemeldet (was auch stimmt), gabs von mir die Antwort "ihr aa ned". Dies war die falsche Antwort. Denn es kam ein "ja ... alle ... muss isch doo noch was dazu saan".

Nein, bitte nix mehr sagen ... ich weiß, dass ich der bin, der sich zu melden hat. Ich bin ja auch jünger und später erwachsen geworden. Vielleicht habe ich den Erwachsenenstatus sogar noch gar nicht in ihren Augen.

"Du vernachlässigt deine Tante ganz schön ..." ... mitten auf den Gewissensbiß setzte sich dieser Satz. Ja, mache ich ... aber nicht in Gedanken. Ich mag meine Tante sehr und hab' ihr auch viel zu verdanken, aber ich war schon ein halbes Jahr nicht mehr bei ihr.

Ohne böse Absicht, einfach keine Zeit und soviel anderes Leben zu leben. Wenn die Tante anrufen würde, dass sie mich braucht, wäre ich sofort bei ihr. Und über ihren jüngsten Sohn weiß ich auch stets, ob es ihr gut geht.

Es ist nicht nur die Wellenlänge, es ist die quälende Zeit des Besuchs dort. Man hat sich nicht wirklich etwas zu sagen. Zwei Welten, die nicht verschiedener sein könnten. Hier die kreative, virtuelle, verspielte Welt und dort die konserative, moralisch-ernsthafte, nicht verstehende Welt.

Ich kann meiner Tante meine Welt nicht vermitteln, und wenn ich das täte, dann stünden meine Gedanken hauptsächlich auf dem Prüfstand, ob sie in Ordnung sind.

Ich mag sie sehr, meine Tante. Ich toleriere ihre Welt, aber kann sie nicht leben. Für mich sind Besuche ohne Konversation eine Qual. Ohne wirkliche Konversation. Man tauscht Informationen aus und hofft, dass sie als "ok" abgehakt werden.

Meine Antwort auf den Satz, ich würde vernachlässigen, war "halt mir hier jetzt keine Moralpredigten". Schließlich war das kein Vieraugengespräch, sondern eine weitere Person und die Bäckereibedienung waren auch da. Ein "denk mal darüber nach ..." begleitete mich auf dem Weg nach draußen.

Wie ich das hasse. Diese Moralpredigten, was ich zu tun habe. Niemand hat mir das zu sagen. Niemand, der nicht in meinen Schuhen steht und nicht bereit ist, sie sich wenigstens anzuschauen.

Man kann jemand mögen und ihm nicht fremd sein, auch wenn man keine regelmäßigen Besuchsintervalle pflegt.

Der nächste Besuch muss dann mit der Rechtfertigung eröffnet werden, warum man denn jetzt erst kommt. Man könnte sich ja auch einfach darüber freuen.

Ja, meine Tante hat, als meine Mutter starb, jahrelang für mich gewaschen. Und sie hat mich als einzige aus dem Freundes/Verwandtenkreis regelmäßig angerufen, als ich mit Krebs im Krankenhaus lag. Dafür bin ich ihr auch ewig dankbar.

Doch ich begebe mich nicht mehr in die unterwürfige Haltung, dass man doch soviel für mich getan hat. Ich möchte gerne akzeptiert werden, wie ich bin. Und das ist eben nicht möglich. Die Kleingärtnerwelt (nicht böse gemeint, nur zur Einordnung) wird mich nie verstehen. Sie wird auch nie verstehen, dass ich eine Fotoserie "vom Bach" mache, wenn ich nicht Geld damit verdiene. Einfach so ... warum denn das ? Ein leicht kopf schüttelndes Fragezeichenlächeln ... von meiner Webseite ganz zu schweigen. Das ist eine ganz andere, wirklich nicht wichtige Welt. Ich seh das natürlich anders.

Würde ich das schreiben, wenn die betreffenden Personen hier lesen ? Nein, denn dann müsste ich das nicht schreiben, weil alles anders wär. Andere Wellenlänge eben.

Man sollte Menschen versuchen zu verstehen und dabei keine moralischen Lineale an sie legen. Schließlich muss jeder mit sich irgendwie fertig werden, hat sich auch nicht in Gänze selbst gemacht und die Menschen sind so vielfältig wie ihr Umfeld und ihre Lebensgeschichten.

Natürlich werde (und muss) ich mal wieder meine Tante besuchen. Nicht sofort, die Genugtuung, dass ich erfolgreich gerüffelt wurde, gebe ich nicht.

Mein Wunsch wäre einfach, dass sie spürt, wie sehr ich (und Beate auch) sie mag. Und dass das wichtiger ist als regelmäßige Pflichtbesuche ohne innere Bindung.
 

Engelbert 29.10.2004, 09.29| (19/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in: innenleben

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