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meine mutter

Ich soll doch mal mehr zu meiner Mutter sagen ... nun, es gibt nicht viel mehr zu sagen. Ich denke nur selten an sie und gehe genauso selten zum Grab. Die Zeit mit ihr ist Vergangenheit ... sie hat mich sehr geliebt, aber auch sehr geklammert. Nicht alles, was gut gemeint ist, ist gut. Mein Leben begann nach ihrem Tod. Vorher war ich nur Sohn. Mit leider zu viel Angst und zu wenig Selbstvertrauen, um mich zu lösen. Und zu viel "kann doch nicht weg, ich bin doch alles, was sie hat". Ich war in der Situation einfach gefangen. Sie wäre für Beate die ideale Schwiegermutter gewesen (genau so eine hatte Beate sich immer gewünscht), aber meiner Mutter hat es leider auch verhindert, dass ich eine Frau kennen lernen konnte. Um das alles genau zu beschreiben, müsste ich viel mehr Worte machen, aber ich will nicht ... es war wie es war und gut. Niemand hatte es böse gemeint, es war nur viel Ratlosigkeit, Grübelei, Angst im Raum. Und keine Freunde. Und viel Pfichtbewusstsein und das elendige "was sagen die Leut".

Engelbert 06.04.2017, 18.29

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Kommentare zu diesem Beitrag

23. von Laura

... oder wenn die Situation mit einer schwierigen Mutter noch anhaelt. Ich muss mich bei jeder einzelnen Begegnung immer wieder abgrenzen und schuetzen.

vom 10.04.2017, 13.11
22. von owl

@Petra

wenn die Seele krank ist, ist es aber nicht so leicht "abzuschliessen und nach vorne zu schauen" ...

vom 10.04.2017, 11.17
21. von Petra

Zu diesem Thema gibt es sehr viel zu sagen.Jeder hat da wohl seine Geschichte.Aber manchmal sollte man mit der Vergangenheit abschliessen und nach vorne schauen. Lg Pit

vom 07.04.2017, 19.24
20. von Helga F.

Ja die Generation die die Kriege mitgemacht haben, hatten oft Ängste und psychische Schwierigkeiten, was uns wohl ähnlich ergangen wäre.Engelbert ich finde Deinen offenen Bericht über das Verhalten Deiner Mutter mutig.Dir und auch Beate wünsche ich alles Gute.
Meine Mutter war psychisch krank, bin mit 15 Jahren "zuhause" abgehauen. Dass sie krank war,wurde mir aber erst in meiner 2. Lebenshälfte bewusst und konnte von da an verstehen, vergeben und meinen Frieden mit ihr machen.Sie hat halt alles so gut gemacht, wie sie konnte. Vor 2 Jahren ist sie mit 92 Jahren gestorben.
Allen die hier auch eine schwierige Kindheit hatten,wünsche ich alles Liebe,ihr
seid Helden, weil ihr trotzdem euer Leben so gut gemeistert habt.

vom 07.04.2017, 18.34
19. von MOnika (Sauerland)

"Was sagen die Leute" war in meinem Elternhaus das wichtigste. Ich hatte einen extremen Sprachfehler. Habe gestottert. Da wurden keine Möglichkeiten gesucht dem Kind zu helfen. Erst als ich mich gefühlsmäßig von meinen Eltern entfernt habe wurde es besser bis sehr gut. Heute würde das niemand mehr vermuten.

vom 07.04.2017, 18.11
18. von Christie

ach Engelbert, bei Deiner Erzählung bin ich ganz traurig geworden. Solche Mütter kenne ich nur aus Filmen. Aber ich kann gut nachvollziehen wie beherrschend si in Deinem Leben war und wie verpflichtet und unfrei Du Dich gefühlt haben musst.
Deiner Mutter war sicher nicht bewusst wie sehr sie Dich belastete.
Es ist schön dass Du keine schlechten Worte über sie findest und diese Zeit als erledigt betrachtest.
Es ist gut, nicht in Bitternis zurück zu denken sondern Freude an Deinem jetzt "freien" Leben zu haben.


vom 07.04.2017, 17.29
17. von MaLu

Liebe @ 14. von Annemone:
Du sprichst da ein Thema an, das mich sehr beschäftigt. Ich bezeichne mich als "Kriegsopfer" auch wenn ich neun Jahre nach Kriegsende geboren wurde. Meine Mutter hat sich ein anderes Leben vorgestellt, aber der Krieg nahm ihr den Traum (die große Liebe starb im Krieg). Mein Vater musste recht jung in den Krieg ziehen und nicht nur, dass er gezwungen war zu töten, er war genau so hochsensibel wie ich, und nach dem Krieg traumatisiert. Er hatte nicht die Kraft seinen Wunschberuf zu erlernen. Das alles wirkte in unsere Familie. Jetzt, da ich älter bin verstehe ich vieles und habe mich mit meiner Vergangenheit ausgesöhnt. Wie hier schon geschrieben wurde: Wer weis was wäre, wenn es anders gekommen wäre. Das muss nicht unbedingt besser sein. Vielleicht wurden wir durch das Leben das wir führen vor Schlimmerem bewahrt. Ich habe auch vieles in meinem Leben erlebt, das ich nicht missen mag. Meine Mutter liebte mich auf ihre Weise, sie konnte nicht anders, also bin ich nicht böse auf sie. Auch ich habe als Mutter getan was ich konnte.
Als Mutter muss man nicht perfekt sein, mann muss nur tun, was man kann.



vom 07.04.2017, 17.02
16. von Jo

Ach, man weiß ja gar nicht wie das Leben sonst verlaufen wäre, wenn man sich früh von der Mutter gelöst hätte und irgendwelche gleichaltrigen Beziehungen gehabt hätte und ob diese jetzt so glücklich gewesen wären!
Partnerersatz für die Mutter hört sich so negativ an, aber es war vielleicht auch ganz schön zeitweise und die Mutter konnte einem, was Reife und Verständnis anging, bestimmt mehr bieten als irgendeine gleichaltrige 20 jährige oder 30 jährige.
Gut, man hätte vielleicht eine Familie begründet, vielleicht aber auch nicht und vielleicht wäre man heute geschieden oder hätte an den Kindern nicht viel Freude, das weiß man ja alles gar nicht!
Es war so wie es ist und alles hat seine Vor und Nachteile.


vom 07.04.2017, 14.29
15. von M.M.

Mein (unser) Leben begann mit dem Tod der Mutter. Es war Krieg, und die Möglichkeiten, sie aus der Eklampsie zu retten, noch nicht vorhanden. Wir waren Frühchen und überlebten in der schwierigen Zeit! Ich lernte die Schwester, der wir unser Leben verdanken, später kennen. Sie arbeitete mit über 75 Jahren immer noch in der Kinderklinik auf der Nachbarstation, auf der ich arbeitete. Ich brauche wohl niemanden zu sagen, wie bewegt und glücklich ich war, diese temperamentvolle, berufserfahrene Frau noch begegnen zu dürfen. Sie hat uns damals auch noch oft geholfen, Säuglinge von der "Himmelswiese" zu holen....!
Nach 6 Jahren in verschiedenen Heimen bekam ich eine Mutter, die aber keine war. Aber ihre Mutter, die ich dann Großmutter nennen durfte, ersetzte sie mir mit all ihrer Liebe,ihrer Inteligenz und Lebensweisheit. Leider nur 6 Jahre bis zu ihrem Tod. Diese Frau prägte mein Leben, und ich bin dieser "Mutter" zeitlebens dankbar. Kein Tag vergeht, ohne eine Erinnerung an sie...
Ob ich selber eine gute Mutter war, mag ich nicht beurteilen. Mein Sohn war, bzw ist, ganz zufrieden mit mir. Geklammert habe ich nie... Meine leibliche Mutter würde in diesem Jahr 99 Jahre alt! Ihren Geburts, wie auch ihren Todestag bedenke ich immer, genau so, wie auch die meiner "Großmutter".
Ihr seht: es gibt auch Positives zu berichten, wenn man das Andere ausklammert.

vom 07.04.2017, 11.21
14. von Annemone

Ich denke oft über die Generation unserer Eltern nach und wie sie vielleicht selbst Opfer der eigenen Geschichte wurden. Meine Mutter zum Beispiel musste mit 12 Jahren mit ansehen, wie ihr Vater nach einem Granateneinschlag im Elternhaus elendig verblutete. Niemand hat damals die Idee von posttraumatischen Belastungsstörungen gehabt. Sie musste von einem Tag auf den anderen erwachsen werden und als älteste Tochter die Mutter bei den jüngeren Geschwistern unterstützen. Und dann hat sie irgendwann geheiratet und wurde selbst Mutter. Ihr Dasein ist ganz sicher von diesem Ereignis geprägt worden. Und wir haben das quasi auch mit der Muttermilch aufgesogen. Ja und heute? Meine Eltern sind beide um die 80. Wir drei Geschwister verstehen uns nicht gut miteinander, was meine Mutter wiederum belastet. Alle Geschwister haben chronische Erkrankungen wie Bronchialasthma, Fibromyalgie, Multiple Sklerose, Schilddrüsenprobleme... Es gibt verschiedene Bücher zum Thema der Kriegsenkel....Ob es sich lohnt, sich damit näher zu befassen?

Allen Seelenfärblern einen unbelasteten Tag.

vom 07.04.2017, 10.04
13. von Ully

Meine Mutter hatte auch kleine Ansätze zum Klammern (" Du bist doch alles, was ich noch habe.."), aber ich hab das große Glück, dass ich das noch zu ihren Lebzeiten in einem guten Gespräch klären konnte. Es war schließlich ein gutes inniges Gespräch, das uns beiden gut getan hat. So kann ich heute in innerem Frieden an sie denken (sie wäre heuer 107 Jahre! ich war ein sehr spätes Kind)

vom 07.04.2017, 09.59
12. von owl

@webschmetterling
"was kümmern mich die Leut" ... eine gute Idee, das "was sollen die Leute denken" dadurch zu ersetzen, ich werde es versuchen!

vom 07.04.2017, 09.23
11. von owl

Lieber Engelbert,
auch mein Leben begann erst nach dem Tod meiner leiblichen Mutter, da war ich 48 ... viele Deiner Worte passen exakt zu meinem Leben.
"Was sollen denn die Leute denken" ... wenn sie überhaupft denken sagte mir meine Psychologin, mit der ich jahrelang mein Leben aufgearbeitet habe, um mit dem Hier und Jetzt klar zu kommen und mich von der Vergangenheit als ungewolltes/ungeliebtes Kind und den Zwängen (durch) meine(r) Mutter zu befreien!

Zumindest der allerletzte Satz, den meine Mutter zu mir sagte, galt mir und meinem neuen Lebensgefährten und die Worte waren sehr warm, herzlich und völlig ungewohnt ohne Vorwürfe, das hat etwas mit der Vergangenheit versöhnt und einen postitiven letzen Eindruck hinterlassen.
Ich trauer um eine nicht vorhandene Mutter-Tochter-Beziehung, aber nicht um die Person Mutter ...


vom 07.04.2017, 09.17
10. von Webschmetterling

Das Gute zum guten Schluss war, dass Du Beate hast kennen lernen dürfen und sie dich und das grad zu dieser Zeit, die vielleicht für euch die richtige Zeit war. Ich drück euch beide mal. Zum Grab würde ich mal gehen alleine schon der Pflege wegen.
Übrigens "was sagen die Leut", das war früher überall so. Schlimm habe ich das empfunden und drum sag ich genau das Gegenteil "was kümmern mich die Leut".

Ich hatte eine enge, sehr strenge Erziehung, die Art meiner Mutter mir gegenüber zog sich wie ein roter Faden durchs Leben. Erst als sie alt und krank wurde und ich mich mit um sie gekümmert habe, hat sich der Knoten gelöst.
Dafür bin ich dankbar.

vom 07.04.2017, 06.34
9. von Lina

Es ist wie bei ALLEM... allzuviel ist ungesund.
Gluckenhafte Mütter... lieben ihre Kinder bestimmt sehr... sie wollen nur das Beste... ich denke es sind da meist Verlustängste im Spiel.
Leider können sich so Kinder nur schwer... wenn überhaupt... lösen.

Aber Engelbert... sie es positiv... würde deine Mutter anders gewesen sein... würdest du wohl nie Beate kennengelernt haben.



vom 07.04.2017, 01.32
8. von Chrissy27

Schade Engelbert, dass du für deine Mutter Partnerersatz sein musstest. Sie hat damit nicht nur ihrem eigenen Leben viel Freude, Glück und Leichtigkeit verwehrt, sondern auch dich eingeschränkt und begrenzt. Du hast deine Meinung ja treffend geäußert. Wie schön, dass du Beate gefunden hast, oder sie dich? ;-)
Das "Was werden die Leute sagen?" war auch ein Spruch meiner Mutter. Am meisten hatte sie Angst, dass sie von den Leuten auf irgend etwas was man nicht tun sollte angesprochen werden könnte. So wandelte sich dieser Satz in "Was soll ich sagen,wenn die Leute mich darauf ansprechen?" Die Antwort meine Vaters war: "Dann sagst du einfach, fahrt zum Bahnhof, dort gibt es einen Schalter auf dem steht: Auskunft!!! Dort könnt Ihr nachfragen, vielleicht gibt es eine Antwort!
Damit war für meinen Vater die entsprechende Situation erledigt und ich war damit entlastet, denn Vater grinste meistens bei seinen Worten.

vom 06.04.2017, 22.41
7. von Mira

Deprimierend.
Schade.

vom 06.04.2017, 22.10
6. von Hildegard

Auf diese Art und Weise ist mein Vermieter (und guter Freund) mit 84 Jahren als Junggeselle gestorben.

vom 06.04.2017, 21.58
5. von gerda

ach herrje, da scheint es wirklich, daß es Vielen so erging, aber man konnte sich ja nicht wehren, man wußte und kannte ja nix anderes ...

vom 06.04.2017, 21.22
4. von rosiE

ja das ist wohl vielen bekannt, wie schön, dass du beate doch noch begegnet bist, was für ein glück,

vom 06.04.2017, 19.49
3. von Ursel

... ja - ich kenne das auch alles - einerseits als Tochter -
besonders als Schwiegertochter fühlte ichmich tausenfach festgebunden und verpflichtet.
Und jetzt muss ich aufpassen, dass ich nicht genauso werde und sich alles wiederholt.


vom 06.04.2017, 19.30
2. von Lieschen

Engelbert ich finde du hast deine Vergangenheit und dein jetziges Leben gut gemeistert. Ich kenn das auch: Was sagen die Leute! bin auf einem kleinen Dorf aufgewachsen, 7 Jahre bei der Familie von Oma und Tante, dann wieder Eltern, dort der Ort war größer, so schon besser, dann erwachsen und weggezogen - dort war ich eine "zuogreißte" keiner interessierte sich mehr für mich und die Familie, man konnte in Ruhe so leben wie man wollte, auch mal ausgeflippter.
Ich habe mir Bekannte und Freunde ausgesucht die zu mir paßten, und lebe heute noch gut damit.

vom 06.04.2017, 19.09
1. von Ursi

Ach, Engelbert, ich kann dich so gut verstehen!
Diese verdammten Zwänge. Sich nicht trauen, was man/frau/kind gerne möchte. Und dieses elende: "was sagen die Leute", kenne ich auch. Bin in einem sehr kleinen Dorf aufgewachsen.
Ich denke, wir waren einfach gefangen in uns selbst.

Obwohl ich eine wirklich gute Mutter hatte. Aber sie war "schwach", hat sich nie gewehrt - der Vater hatte das absolute Sagen.

Ich finde es gut, dass du es so stehen lässt. Es gibt nichts mehr zu sagen, nicht wahr? Du machst das sehr gut. Lass die Vergangenheit einfach ruhen. Und leb dein Leben!

vom 06.04.2017, 18.56

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