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heute ...

... wäre meine Mutter 80 Jahre alt geworden. Würde sie noch leben (sie ist seit 24 Jahren tot), wäre aber sonst niemand da zum Feiern. Bruder 1 starb vor ihr, Bruder 2 ist seit ca. 10 Jahren tot ... Schwägerin 1 ist vor wenigen Wochen gestorben, Schwägerin 2 liegt im Sterben.

Wenn man überlegt ... 80 Jahre ist ja kein Alter ... sie könnte noch fit durchs Leben gehen.

Allerdings begann ich erst zu leben, als sie starb. Die Schwiegertochter, die sie sich so gewünscht hat, war erst möglich, als es meine Mutter nicht mehr gab. Eine Mutter voller Liebe ... und dennoch ist so vieles doof gelaufen. Man glaubt nicht, wie wichtig Selbstvertrauen für die Mutterrolle ist ... damit man die Übersicht hat, damit mans weitergibt. Ich beneide alle mit "normalen" Kindheiten.

Ich war heute nicht am Grab ... ich bin eh selten am Grab und wenn, dann ohne Emotionen. Ist alles lang vorbei und solls auch bleiben, ich schaue nicht zurück ... ich schaue auch die alten Bilder nicht an ... hab schon überlegt, sie alle zu entsorgen. Mein Leben fing 1998 an. Bald bin ich volljährig ;)).

Engelbert 06.04.2018, 20.27

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Kommentare zu diesem Beitrag

15. von

Lieber Engelbert,

Dein Satz:

"Man glaubt nicht, wie wichtig Selbstvertrauen für die Mutterrolle ist ... damit man die Übersicht hat, damit mans weitergibt."

..macht mich nachdenklich, jedoch würde mich (sehr) etwas detaillierter interessieren, wie Du das meinst.

Viele Grüße
Birgit

vom 09.04.2018, 12.59
14. von owl

@Engelbert

Glaube wir schrieben schon mal zu dem Thema, viele Deiner Worte beschreiben exakt mein Leben, das auch erst mit dem Tod meiner leiblichen Mutter begonnen hat.
Wobei ich meiner Mutter keine Vorwürfe mache, das Leben hat aus ihr das gemacht, was sie war.
Mittlerweile weiss man ja, dass Kinder auch die Geschichte der vorherigen Generationen tragen und teilweise ihre Probleme durch Geschehnisse weit vor ihrer Geburt haben.

Leben ist nicht einfach! Vielleicht leben "wir" dadurch jetzt viel intensiver, als Menschen, die es immer "einfach" hatte und nur so durchs Leben "latschen"!

vom 09.04.2018, 08.51
13. von Hildegard

Meine Elterngeneration ist ja im 1. Weltkrieg geboren und in der danach folgenden chaotischen Zeit erwachsen geworden. Bestimmt auch kein optimaler Start um mit den eigenen Kindern alles richtig zu machen. Ich bin ja Jahrgang 1940, also auch ein Kriegskind und in nicht gerade normalen Zeiten aufgewachsen. Vater war im letzten Kriegsjahr in der Ostsee geblieben. Ich habe keine Kinder, bei denen ich etwas falsch machen konnte, was aus deren Sicht dann ganz bestimmt so gewesen wäre.

Meine Mutter und meinen Stiefvater habe ich dann in den späteren Jahren versucht, ihr Handeln aus der jeweiligen Situation heraus zu verstehen, was mir so einigermaßen gelungen ist. Das Wort "verzeihen" fand ich für mich zu groß, war der Ansicht, dass mir das eigentlich nicht zusteht. Mir würde es für mich schon genügen, wenn man mich versteht.



vom 07.04.2018, 22.30
12. von philomena

Ich kenne viele Menschen unserer Generation, die keine "normale" Kindheit hatten. Das ist u.a. auch das unaufgearbeitete Erbe der 2 Weltkriege, der viele Eltern traumatisiert hat. Sie waren leider nicht in der Lage ihren Kindern Liebe, Geborgenheit und körperliche Nähe zu schenken.
@ MartinaK hat ein Buch zum Thema empfohlen. Ich kann noch Sabine Bode nennen, deren Bücher sich ebenfalls mit damit befassen.

Schön ist aber bei allem, lieber Engelbert, dass dein Leben "begonnen" hat und du viele Dinge beim Namen nennst und uns im Forum daran Anteil nehmen lässt.
Es ist gut, wenn man vergeben kann. Davor steht oft erst das Verstehen, weshalb ein anderer so oder so handelte oder nicht handelte.

Ich wünsche dir beides:) Du lebst jetzt und die Vergangenheit ist vergangen und liegt hinter dir. Wünschen wir den heutigen Kindern liebevolle Eltern, die sie so begleiten wie sie es brauchen.



vom 07.04.2018, 19.48
11. von Lieschen

erst wollte ich nichts schreiben, nun tue ich es doch.
auch meine Kindheit war ein Chaos, ich hatte schon früh Neurodermitis, meine Mutter konnte mich nicht anlangen, später sagte sie mir mal: du warst so scheußlih und alles klebte bei dir deine Haut, nein das konnte ich nicht anfassen. ab dem 6. Jahr lebte ich 7 Jahre bei Oma,Opa, Tante und Onkel, der hat mich dann ab 11 regelmäßig mißbraucht, ich bin mit 13, dann erst hatte ich die Kraft dort weg gelaufen. Zu meinen Eltern die 600 km weiter weg wohnten. Sagte dann Ihnen: sie seien meine Eltern und sie müßten mich aufnehmen. Mein Vater war betroffen, was ich erlebt habe. Ich habe niemand was erzählt, erst 30 Jahre später, da war bei mir die Scheidung und beim Therapeuten kam das alles raus. es ist natürlich noch viel mehr passiert, das würde den Rahmen hier sprengen.
Ich habe allen, alles verziehen, das konnte ich und bin froh darüber. Meine Mutter habe ich dann zu mir geholt, sie war im Altenheim 3 Jahre, habe sie betreut und alles bezahlt.Mein Bruder ihr Liebling war ja auch schon tot. Mutter hat das verwöhnen sehr genossen, aber sie hat mir nie gesagt das sie mich liebte, nur mal auf meine Frage dies bezüglich, kam die Antwort: ich mag dich schon. Bei anderen Menschen lobte sie mich, wegen meinem Fleiß und was ich alles geschafft hatte. War vielleicht ihre Art zu sagen, das sie mich gern hat.
Meine Tochter habe ich von Anfang an anders erzogen, sie hat in Freiheit und Eigenwillen erwachsen werden dürfen.
Manchmal denke ich heute, das dieser Lebenskampf mir soviel Kraft geraubt hat, das es aus diesem Greunde mir heute von den Knochen so schlecht geht, jeden Tag nur Schmerzen, manchmal ist es schwierig, aber irgendwie muß es weiter gehen.
So war es für mich nun ein Trost hier zu lesen das es vielen anderen Menschen auch schlecht ging ,
so ist diese Seite wirklich ein Gewinn
Engelbert du hast es geschafft und schaffst es immer wieder die Menschen hier zu berrühren und so zu helfen.


vom 07.04.2018, 12.52
10. von Birgit (Hildesheimer)

Normale Kindheit? Gibt es sowas überhaupt im wirklichen Leben?
Als ich sechs war, starb mein Vater. Seit dem Zeitpunkt war ich der Sonderling des Dorfes. Ich wurde Hochdeutsch erzogen, alle anderen Kinder sprachen Plattdeutsch. Noch ein Sonderstatus.
Das Verhältnis zu meiner Mutter war immer gestört. Sie hat viel für mich entschieden.Schule,Beruf,Lehre. weihnachten habe ich erfahren, dass sie mit der Wahl meines Mannes absolut nicht einverstanden war. Vielleicht hat sie meine Kinder deswegen eher sträflich behandelt.Strafe mit Ignoranz. Das konnte und kann sie meisterlich.
In einer jahrelangen Therapie habe ich einiges verstanden. Heute geht es.
Das Grab meines Vaters besuche ich nicht mehr. Schon sehr lange nicht mehr.
Meine Kinder sind, trotz Scheidung, ziemlich normal. Wenn mann das heute überhaupt noch sagen kann.

vom 07.04.2018, 10.33
9. von MOnika Sauerland

Ich habe, als ich die Gruft meiner Eltern Großeltern übernehmen musste und sie kurz danach noch mal für X Jahre mieten sollte einebnen lassen. Für mich war das vollkommen o.k. Mein Vater hat ein Einzelgrab und meine Mutter war schon über 10 Jahre tot. Sie hatte ein erfülltes Leben. Mein Sohn ist 2015 im Alter von 40. Jahren plötzlich gestorben. Er hat ein Baumgrab. Ab und zu besuche ich ihn dort. Für meine Trauer brauche ich allerdings keinen Ort. Fotos habe ich noch sehr viele. Irgendwann wird vielleicht der Zeitpunkt kommen wo meine Enkelkinder danach fragen.

vom 07.04.2018, 09.44
8. von christine b

das ist sehr traurig, aber es ist wunderbar, dass du und beate es geschafft haben, glücklich zusammen zu leben.
jeder psychologe wird sagen, es war die kindheit deiner mutter,die sie zu dem gemacht hat, was sie war. sie konnte wohl nicht anders, sie war durch ihre eigenen kindheitserlebnisse verunsichert.
perfekte eltern gibt es nicht und sie sind auch nicht notwendig, nur leider wußten zu damaligen zeiten die meisten eltern nicht, wie sehr sie ihre kinder verletzen, wenn sie unbewußt die gesunde entwiklung und den optimusmus ihres kindes durch eigene probleme massiv stören.
verzeih deiner mutter und deinen vorfahren wenn du kannst, das tut auch deiner seele gut.
du hast viel an dir gearbeitet, denn du lebst in einer glücklichen partnerschaft und gibst durch deine seelenfarbenseite so viel liebe und freude an uns weiter.
herzliche grüße!

vom 07.04.2018, 09.24
7. von Hanna

Solche Biographien,gibt es in unserem Freundeskreis auch einige! Zum Glück in meiner Familie nicht! Ich habe zwei erwachsene Söhne,zwei ganz liebe Schwiegertöchter und alles ist Bestens! Wir haben unsere Kinder losgelassen und sie kommen immer wieder freiwillig zurück!
Mir tut es für alle sehr leid,die keine"normale" Kindheit haben oder hatten!Ich hatte auch eine normale Kindheit und hatte zu meinen Eltern und Schwiegereltern ein inniges Verhältnis!
Lieber Engelbert,du hast nun deine Beate und das ist gut so!

vom 07.04.2018, 09.22
6. von Brigida

Ich habe auch 30 Jahre gebraucht, um einigermassen auf die Reihe zu kommen...., aber da war nicht allein die Mutter schuld, einfach das System und wo ich geboren wurde. Habe den wichtigen Menschen - das sind Vater und Mutter vergeben und habe mit ihnen meinen Frieden. Bei anderen fällt es mir sehr schwer, aber ich habe es geschafft und das aus eigener Kraft und das ist wichtig. Du hast das auch, wie man sieht, also rate ich Dir, vergebe Deiner Mutter, sie hat es nicht anders gewusst und gekonnt. Jeder hat seine Aufgabe im Leben.... Geniesse mit Deiner Beate jeden Tag Deines Lebens... Ganz Liebe Grüsse....

vom 07.04.2018, 06.31
5. von Anne

Das tut mir Leid für Dich, lieber Engelbert! Vor allem, wenn Du sagst, dass Dein Leben erst vor zwanzig Jahren anfing bzw. als Deine Mutter starb;)! Andererseits sagst Du - "eine Mutter voller Liebe", aber vermutlich und nach dem, was Du schilderst, zu wenig Liebe für Dich.
Umso mehr Hochachtung, dass Du so viel "Liebevolles" weiter geben konntest und kannst!!!
Kurze Worte für ein ernstes und breitgefächertes Thema...


vom 07.04.2018, 06.09
4. von MartinaK

@ Engelbert

Lieben Dank für Deine offene und ausführliche Antwort. Jetzt habe ich verstanden, warum Du andere Kindheiten als „normal“ bezeichnest.
Das mit der Konfession war aber mit Sicherheit zu damaliger Zeit überall die Grundvoraussetzung für „das Heiratendürfen“. Als ich 1977 meinen ersten Freund hatte war das Wichtigste, dass er auch evangelisch war.

vom 06.04.2018, 22.13
3. von ReginaE

Streckenweise verstehe ich dich total. Damals nahmen sich die Eltern das Recht heraus ihre Kinder zu bevormunden. Diese hatten kaum eine Wahl anders zu leben.

Und das mit der Konfession war super wichtig!! Deshalb habe ich nicht einen Mann mit anderer Konfession geheiratet. Das wäre in Stress ausgeartet und damals für mich untragbar.

Meine Mutter war im Alter von 80 noch ziemlich fit. Ende des Monats wird sie 92 und derzeitig ziemlich wunderlich. Nicht dement, aber sehr unzufrieden mit ihrem momentanen Status.

vom 06.04.2018, 21.34
2. von Engelbert

@ MartinaK: mit normaler Kindheit meine ich, dass die Mama den Mann heiraten darf, den sie liebt und nicht den heiratet, der die richtige Konfession hat ... und mich meine damit, dass Papa und Mama sich nicht scheiden lassen und die Mama sich nicht ein zweites und drittes Mal scheiden lässt ... und das eigentlich nie verwindet und die dritte Scheidung war auch noch wegen mir, weil der Papa eifersüchtig auf mich war und sich dementsprechend benommen hat. Mein Leben war ein Theaterstück und ich hatte nicht das Gefühl, die Regie zu haben. Apropos Krieg ... meine Oma hat die Familie gut durch den Krieg gebracht ... aber sie war eine herzlose Hexe (so kommts mir heute vor, kann auch sein, dass sie einfach glaubte, so sein zu müssen) und meine Mutter wollte alles besser machen, weil sie darunter so gelitten hatte. Mein Opa starb durch einen Unfall oder Selbstmord, so ganz genau weiß man das nicht ... er soll ein herzensguter Mensch gewesen sein.

Normal also im Sinne von ... ganz normale Familie mit Höhen und Tiefen ... aber vorhanden und zueinander haltend ... und dem Kind einen gewissen Rückhalt gebend statt Fragen und Ängste in den Vordergrund zu stellen ...

vom 06.04.2018, 21.13
1. von MartinaK

Was ist eine „normale“ Kindheit?
Ich kenne zumindest niemanden in unserem Alter mit einer unkomplizierten Kindheit.
Deine Mutter war Jahrgang 1938, meine Jahrgang 1933 - sie waren Kinder im 2. Weltkrieg, das ist nicht ohne Spuren an ihnen vorübergegangen. Es gibt ein Buch, das mir geholfen hat, vieles zu verstehen - dieses hier
Hier klicken
Ich habe mich in jedem Interview wiedergefunden, es war immer etwas dabei, das ich wiedererkannte.
Vielleicht wäre es ja auch für Dich eine interessante, hilfreiche Lektüre?

vom 06.04.2018, 21.00

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