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Ausgewählter Beitrag

die kranken ans fenster


Es ist schon erschütternd, den Papst zu sehen. Mit Händen nach Worten ringend erstirbt seine frohe Botschaft in einem Stöhnen.

Ein wichtiges Stöhnen !

Nicht wegen der frohen Botschaft oder dem wortlosen Segen. Nein, weil der alte Herr stöhnende Menschen enttabuisiert. Weil er Vorbild dafür ist, alte, kranke Menschen nicht mehr zu verstecken, sondern auch mal ans Fenster zu stellen. Auch wenns dem Vorbeilaufenden weh tut.

Gleichberechtigt. Denn was wir erschütternd, bemitleidenswert, manche vielleicht sogar abstoßend finden, ist einfach nur nachlassendes Leben. Eines Menschen. Menschlich. Und immer noch gleichberechtigt.

Auch wenn wir Gesunden (Gesünderen) uns stärker fühlen, so gibt uns das nicht das Recht, ungute Gefühle beim Anblick der letzten Monate zu bekommen. Nach dem Motto "stöhnen gerne, aber nicht öffentlich". 

Das Nachlassen der Kraft ist ein ganz normaler millionenfach passierender und bitte gerne in das öffentliche Leben zu intergrierender Vorgang.
 

Engelbert 31.03.2005, 00.56

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Kommentare zu diesem Beitrag

11. von Nicole

Wenn der Papst zum Symbol aller pflegebeduerftigen Menschen geworden ist, warte ich mal gespannt auf die Massnahmen, die in Deutschland ergriffen werden, um ebendiesen menschen das Leben leichter zu machen.
Die meisten Kirchen (um beim Beispiel Kirche zu bleiben) haben ja noch nicht einmal Behindertengerechte Eingaenge.
Ich hoffe mit Euch, dass sich etwas aendert fuer die Menschen, denen es (egal wo) nicht gut geht, doch glaube ich nicht daran (leider), da die Papst-Geschichte leider einfach nur als Nachrichten-Sensationslust_Lueckenfueller dient (meine Meinung).
Auf CNN konkuriert der Papst grade mit Jackson und Schiavo, von dem letzten Erdbeben lese und hoere ich so gut wie nichts. Waren diesmal ja auch nur um die 2000 Opfer. Ist ja nicht so schlimm.


vom 01.04.2005, 01.20
10. von Anneliese

Hallo Engelbert!
Leider mußte ich im Internet auch sehr viele negative Berichte/ Meinungen dazu lesen.
Ich möchte sie jetzt hier nicht wiederholen.
Der Papast ist zum Symbol geworden für alle Kranken und Pflegebedürftigen Menschen. Menschen die bei uns in Deutschland wenig zählen die unnütz für die Gesellschaft geworden sind.
Die wir lieben verstecken.
für die,die Gesellschaft/der Staat kein Geld ausgeben will.
die man lieber in Heimen versteckt ohne das sie noch die Möglichkeit haben am aktiven Leben Teilzunehmen.

vom 31.03.2005, 23.14
9. von Xenia

wenn ich diese bilder des papstes sehe, kommen mir unweigerlich die tränen, denn sie erinnern mich unweigerlich an meine geliebte mutti, die die letzten 5 jahre ihres lebens mit mir, meinem mann und meinem sohn zusammen gelebt hat. leider ging sie im august letzten jahres für immer von uns. obwohl sie die letzten monate wirklich sehr krank war und fast gar nicht mehr aus dem bett aufstehen konnte, wollte sie trotzdem niemals "von ihrem dienst zurücktreten". sie wollte mir immer zur hand gehen, und wenn die kraft manchmal auch nur zum schälen von 2 oder 3 kartoffeln gereicht hat, so hat sie mir in ihren augen doch helfen können. ich denke, kein alter bzw. kranker mensch glaubt wirklich, dass er "zurücktreten" soll/muß, nur weil er vielleicht nicht mehr so "brauchbar" wie ein junger mensch ist. ich bin jedenfalls sehr glücklich darüber, dass meine mutter mir bis zu ihrem tod immer "helfen konnte und niemals zurückgetreten ist".

lg
xennia

vom 31.03.2005, 22.30
8. von Gabi K

Was die geistige Regheit des Papstes angeht, da möchte ich meine persönlichen Erfahrungen als Krankenschwester mal teilen. An M. Parkinson Erkrankte sind oft bis zum allerletzten Moment "klar im Kopf". Sie können ihren Körper nicht mehr kontrollieren, oft nicht mehr richtig sprechen... Aber, sie sind klar! Und können ihre Meinung, wenn man ordentlich fragt, sehr wohl klar machen. Inwieweit die körperlichen Leiden sie beeinflussen, hängt natürlich immer von der Persönlichkeit ab. Der Papst hat eine starke Persönlichkeit. So empfinde ich ihn. (Und auch ich kann mit der katholischen Kirche nicht allzuviel anfangen.)
Ich finde es tragisch, dass er einen "Job" hat, bei dem er nicht einfach in Rente gehen kann. Für ihn persönlich tragisch. Aber verstecken sollte man alte, kranke oder behinderte Menschen nicht. Sie gehören zu uns. SIe sind nun mal da. Früher war es so, dass alle Behinderten in den Familien bis zum Tode gepflegt wurden. Da kannte man das. Erst seit das nicht mehr üblich ist, ist Gebrechlichkeit eine "Sensation" geworden...

Liebe Grüße
Gabi K

vom 31.03.2005, 19.41
7. von pia

Das Leben lebt durch Meinungsvielfalt ist mir gerade hier wieder einmal bewusst geworden.Ich, konfessionslos, bin immer wieder erstaunt, wie Glauben Menschen doch scheinbar leitet oder auch nicht leitet.
Der Papst ist ein alter, kranker Mann.
Vielen Menschen in diesem Alter würde eine solche, wahrscheinlich exzellente, medizinische Versorgung nicht zugute kommen.
Viele Kinder verhungern täglich, gewollt geboren durch die katholische Kirche, sie durften nicht abgetrieben werden.
Die Leiden des Papstes mit den Leiden von Jesus zu vergleichen, halte ich schlichtweg für lächerlich, bestimmte katholische Geistliche tun dies ja gerade.
Ein öffentliches Leiden an Fenstern oder sonstwo finde ich nicht angebracht, warum auch ?
Die Frage von Nicole ist berechtigt, was würdet ihr von einem Bundeskanzler halten mit dem Gesundheitszustand ?

vom 31.03.2005, 14.22
Antwort von Engelbert:

Ein Kanzler in diesem Zustand ... den hielt ich überfordert in seinem Job. In seinem "Job" ist sicher auch der Papst überfordert, wenn ich auch nicht weiß, wie sehr er im Vollbesitz der geistigen Kräfte ist oder nicht. Als Gläubiger (und die Kirche als Institution bejehande) täte ich mich auch schwer mit diesem Papst. Schließlich wollte ich Botschaften, Worte, Taten.

Wäre der Papst auch gesund nur eine Marionette seiner Kardinäle und ich mir dessen sicher, wäre es egal, wenn er nun krank ist. Ich geh aber davon aus, dass der Papst schon noch mehr zu sagen hat als seine Berater.

Was ich aussagen wollte, ist isoliert zu sehen. Unabhängig der Kirche, mit der ich nicht viel anfangen kann. Einfach nur die Tatsache, sich krank der Öffentlichkeit zu zeigen. Ich sehe das als Botschaft, dass sich Kranke schon ihrer Umgebung öffentlich "antun" dürfen.

An die Vorbildfunktion für die Gläubige, an das Leitbild, was seine "Taten" betrifft (die ja nun nicht mehr reichlich da sind) habe ich gar nicht gedacht. Dafür bin ich zu weit weg von Kirche und Papst. Und auch alles andere als einer Meinung mit den aus Rom kommenden Vorgaben.
 


6. von Nicole

P.S.:
Wenn es einen Gott gibt und dieser den Papst und die KK wirklich seit Anfang an lenkt, bin ich froh, ausgetreten zu sein.

Was das Leiden des Papstes angeht: Was wuerdet ihr von einem Bundeskanzler halten, der so alt und schwach ist und nicht die Wuerde hat, zurueckzutreten, weil er sich sein Alter und seine Schwaeche nicht eingestehen will?

Nachdenkliche Gruesse, Nicole

vom 31.03.2005, 13.46
5. von Nicole

Sei mir nicht boese, von mir aus kann der Papst noch dreissig Jahre leben und stoehnen.
Vor einigen Jahren haette man ihn im Vatikan dezent und unmoralisch beseitigt, heute ist das wohl nicht mehr ganz so einfach.
Fuer mich persoenlich ist das Thema kath. Kirche so was von gegessen...naja, von mir aus kann er noch die naechsten 100 Jahre davon reden, dass Verhuetung nicht von Gott gewollt ist, dafuer aber das Zoelibat :(
Kopfschuettelnde Gruesse (ueber die KK nicht ueber Dich ;))
Nicole

vom 31.03.2005, 13.43
4. von Thinkabout

Ich danke Engelbert für seine Worte. Respektiere Monikas Meinung, aber mir fällt etwas auf: Seitdem das Leiden des Papstes Gesichter und Bilder hat, der Prozess des Sterbens zu uns durch diesen Mann durchdringt, hat die Diskussion darüber, ob der Papst zurücktreten soll, abgenommen, um nicht zu sagen, sie ist still geworden. So wenigstens meine Wahrnehmung. Es ist, als würde die Botschaft verstanden, dass da ein Würdenträger dafür stehen will, dass zu einem Leben als Ganzes auch dies gehören kann: Zerbrechlichkeit, die sich der Gefahr der Schwäche aussetzt. Trotz Medien, Verflachung oder Kalkül: Viele Menschen werden wohl ähnliche Gedanken wie Engelbert haben. Und dann ist es gut so. Der Mensch denkt. Und Gott lenkt. Auch den Papst.
Thinkabout

vom 31.03.2005, 11.51
3. von monika

So wie Du argumentierst, kann ich deine Meinung natürlich respektieren, bin aber selber genau gegenteiliger. Ich finde nämlich, daß Leiden etwas sehr Intimes ist und Stöhnen nicht an die Öffentlichkeit gehört. Ich erlebe den Papst ja nicht persönlich - da bräuchte er sein Leiden vor mir nicht zu verstecken - sondern als Medienspektakel, wo er sich die Schlagzeilen mit Terri Schiavo, den Tsunami-Opfern und anderen Leidenden teilt. Wieviel Entsetzen brauchen wir denn eigentlich noch und bewirkt das nicht nur, daß wir immer mehr abstumpfen ?! Er ist ein kranker Mann, der von den besten Ärzten und Pflegepersonal betreut wird und der die beste Medizin erhält, um sein Leiden zu mildern und das wird wahrlich nicht jedem alten kranken Menschen zuteil.


vom 31.03.2005, 08.50
2. von Elisabeth (himmelblau)

Ja, das stimmt. Ich mag diesen Papst als Mensch sehr, auch wenn ich manches seiner Politik nicht gutheiße. Aber persönlich ist er großartig. :-)

Alles Liebe,

Elisabeth (himmelblau)

vom 31.03.2005, 06.40
1. von Mike

Eine sehr wichtige Bemerkung von euch. Genau darum geht/ginge es: Die, die nicht mehr können, die krank sind, die müde sind, sollen endlich an die Fenster und sich zeigen!

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